23. November 2022, Khalifa International Stadium: Japan schlägt Deutschland mit 2:1 nach Rückstand. Vier Tage später folgt ein 2:1 gegen Spanien — ebenfalls nach Rückstand. Zwei Siege gegen zwei ehemalige Weltmeister in einer WM-Gruppenphase — kein asiatisches Team hatte das je geschafft. Dreieinhalb Jahre später reisen die Samurai Blue zur WM 2026 mit einem klaren Ziel: nicht nur die Gruppenphase überstehen, sondern erstmals in der Geschichte ein WM-Viertelfinale erreichen. Der Kader hat sich seit Katar weiterentwickelt, die europäische Ligaerfahrung ist gewachsen, und die Wettquoten von circa 34.00 für den Turniersieg spiegeln eine Mannschaft wider, die als Geheimfavorit gilt, aber noch keiner ist.

Qualifikation und Formentwicklung

Die asiatische WM-Qualifikation ist ein Marathon — 18 Spiele über zwei Jahre, verteilt auf drei Runden, mit Reisen von Tokio nach Teheran, von Riad nach Sydney. Japan beendete die finale Runde auf Platz eins mit 25 Punkten aus zehn Spielen und qualifizierte sich als erstes asiatisches Team für die WM 2026 — vier Spieltage vor Schluss, ein Zeichen der Dominanz. Die Bilanz war eindrucksvoll: acht Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage (0:1 gegen Saudi-Arabien in Riad, wo 42°C Hitze und die Lautstärke des King Fahd Stadium den Ausschlag gaben). Das Torverhältnis von 29:5 zeigt Japans offensive Durchschlagskraft, aber die asiatische Qualifikation ist als Gradmesser für WM-Niveau nur bedingt geeignet — die Gegner hießen Australien, Saudi-Arabien, Bahrain und Indonesien, nicht Frankreich oder Argentinien. Was die Qualifikation dennoch zeigt: Japan ist in Asien eine Klasse für sich, und die Mannschaft hat gelernt, auch hässliche Spiele zu gewinnen — drei der acht Siege kamen durch Tore nach der 80. Minute zustande.

Aufschlussreicher als die Qualifikation sind die Testspiele gegen europäische Teams: ein 2:2 gegen Deutschland im November 2025 (Remis nach 2:0-Führung, was die defensive Anfälligkeit in der Schlussphase offenbarte — ein Problem, das sich bei der WM 2022 im Achtelfinale gegen Kroatien ebenfalls zeigte), ein 0:3 gegen Spanien in Madrid (eine Lektion in Ballbesitz-Dominanz, bei der Japan nur 28% Ballbesitz hatte und kaum zu Kontern kam) und ein 1:1 gegen Belgien im März 2026 (ein Ergebnis, das zeigt, dass Japan gegen europäische Mittelmächte auf Augenhöhe agieren kann). Die Muster sind klar: Japan kann gegen jeden Gegner Tore schießen — die Offensive um Mitoma und Kubo ist auf WM-Niveau —, hat aber Probleme, Vorsprünge über 90 Minuten zu halten. Trainer Hajime Moriyasu arbeitet seit 2022 gezielt an der defensiven Stabilität, und die xG-gegen-Werte sind von 1.4 pro Spiel bei der WM 2022 auf 0.9 in den letzten zwölf Länderspielen gesunken — eine signifikante Verbesserung, die darauf hindeutet, dass die defensive Organisation greift, aber noch nicht die Konstanz erreicht hat, die für einen tiefen Turnierlauf nötig ist.

Kaderanalyse: Europas Top-Ligen als Kaderbasis

Japans Kader für die WM 2026 ist ein Produkt der systematischen Talentförderung, die der japanische Fußballverband seit den 1990er Jahren betreibt — ein Langzeitprojekt, das 1998 mit der ersten WM-Teilnahme begann und 2026 seine reifste Frucht trägt. Das Ergebnis: 21 der 26 voraussichtlichen WM-Fahrer spielen in europäischen Top-Ligen — mehr als bei jedem anderen asiatischen Team in der Geschichte und mehr als bei vielen europäischen WM-Teilnehmern. Diese „Europa-Legionäre“ bringen nicht nur individuelle Klasse mit, sondern auch die taktische Disziplin und die physische Belastbarkeit, die im europäischen Klubfußball trainiert wird.

Kaoru Mitoma (Brighton) ist der gefährlichste Dribbler des Kaders und ein Spieler, der bei der WM 2026 für Furore sorgen könnte. Seine Fähigkeit, auf engem Raum Gegenspieler auszutanzen — seine Dribbling-Erfolgsquote von 62% in der Premier League ist die zweithöchste der Liga — hat ihm in England den Ruf eines „Albtraums für Rechtsverteidiger“ eingebracht. Mitoma ist kein reiner Tempospieler, sondern ein intelligenter Flügelspieler, der den richtigen Moment für Dribblings, Pässe und Abschlüsse wählt. Takefusa Kubo (Real Sociedad) bringt La-Liga-Qualität vom rechten Flügel — seine 11 Tore in der Saison 2025/26 bestätigen seine Entwicklung zum Weltklasse-Offensivspieler. Daichi Kamada liefert als zentraler Mittelfeldspieler die Spielintelligenz und Kreativität, die Japan gegen europäische Teams braucht — seine Erfahrung bei Eintracht Frankfurt und in der Bundesliga macht ihn zum perfekten Bindeglied zwischen Defensive und Offensive.

Wataru Endo (Liverpool) ist das taktische Herzstück — sein Pressing und seine Ballgewinn-Fähigkeiten unter Jürgen Klopp und dann Arne Slot haben ihn zum komplettesten japanischen Mittelfeldspieler seit Makoto Hasebe gemacht. Endos Positionsspiel ist so gut, dass er bei Liverpool regelmäßig gegen die besten Mittelfeldspieler der Welt besteht — eine Erfahrung, die bei der WM 2026 gegen Teams wie die Niederlande oder Schweden von unschätzbarem Wert sein wird. Ko Itakura (Borussia Mönchengladbach) und Takehiro Tomiyasu (Arsenal) sichern die Abwehr mit Bundesliga- und Premier-League-Erfahrung, und Shuichi Gonda steht als erfahrener Torwart bereit, der bei der WM 2022 gegen Deutschland und Spanien starke Leistungen zeigte.

Die Stärke des japanischen Kaders liegt nicht in individueller Weltklasse — keiner der Spieler ist auf dem Niveau von Mbappé oder Bellingham — sondern in der taktischen Geschlossenheit: Jeder Spieler kennt seine Rolle, das Pressing ist choreographiert wie ein Ballett, und das Team funktioniert als Einheit besser als die Summe seiner Teile. Moriyasus System basiert auf einer 4-2-3-1-Grundformation, die sich im Pressing in ein 4-4-2 verwandelt und bei Ballbesitz in ein 3-4-3 übergeht — diese taktische Flexibilität ist Japans größte Waffe und der Grund, warum sie bei der WM 2022 Deutschland und Spanien schlagen konnten.

Gruppe F: Niederlande, Schweden, Tunesien

Gruppe F ist Japans Chance, die WM-2022-Magie zu wiederholen — und gleichzeitig die Falle, die den Fortschritt stoppen könnte. Die Niederlande sind der Gruppenfavorit, aber Japan hat 2022 bewiesen, dass es europäische Topteams in der Gruppenphase schlagen kann. Die taktische Strategie wird voraussichtlich ähnlich aussehen wie gegen Deutschland und Spanien bei der letzten WM: tief verteidigen, auf Fehler lauern, über schnelle Konter zuschlagen. Das Problem: Die Niederlande unter Koeman spielen nicht den hohen Ballbesitz-Stil, den Spanien und Deutschland 2022 praktizierten — Oranjes 4-3-3 ist direkter und physischer, was Japans Konterstrategie weniger effektiv machen könnte.

Schweden ist ein physisch starker Gegner, der Japans Kompaktheit testen wird — Alexander Isak im Eins-gegen-Eins gegen Itakura wird eine der interessantesten Matchups der Gruppenphase. Tunesien ist ein bekannter Gegner aus der WM-2022-Gruppenphase (0:0 damals), und ein erneutes Aufeinandertreffen dürfte ähnlich eng verlaufen. Meine Gruppenprognose: Japan und die Niederlande teilen sich die ersten beiden Plätze, die Reihenfolge hängt vom direkten Duell ab. Die Quote für Japan als Gruppensieger (ca. 3.50) bietet aus meiner Sicht leichten Value — ein Ergebnis, das 2022 gegen Deutschland und Spanien niemand für möglich gehalten hätte und das 2026 gegen die Niederlande durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

Wettquoten und Geheimfavoriten-Check

Japan bei circa 34.00 für den Turniersieg — die Quote eines Teams, das der Markt als potenziellen Viertelfinalteilnehmer sieht, nicht als Titelfavoriten. Die implizierte Wahrscheinlichkeit von 3% halte ich für angemessen — Japan hat die Qualität, die Gruppenphase zu überstehen und in der Runde der 32 einen Gruppendritten zu schlagen, aber im Achtel- oder Viertelfinale gegen einen Top-8-Favoriten fehlt die individuelle Klasse, um 90 Minuten auf Augenhöhe zu spielen. Japans Stärke — das Kollektiv — neutralisiert die individuelle Überlegenheit der Gegner für 60 bis 70 Minuten, aber nicht für die gesamte Spielzeit. Bei der WM 2022 verlor Japan im Achtelfinale gegen Kroatien erst im Elfmeterschießen, und ein ähnliches Szenario in der K.o.-Runde 2026 ist wahrscheinlich.

Wo ich Value sehe: „Japan übersteht die Gruppenphase“ bei circa 1.65 (implizierte Wahrscheinlichkeit 61%, meine Einschätzung 68%) und „Japan Gruppensieger“ bei 3.50 (implizierte Wahrscheinlichkeit 29%, meine Einschätzung 33%). Die Einzelspielwette auf Mitoma als Torschütze gegen Tunesien (ca. 3.00) ist ebenfalls attraktiv — sein Dribbling gegen afrikanische Defensiven, die physisch stark, aber im Eins-gegen-Eins anfällig sind, könnte den Unterschied machen.

Samurai Blue auf dem Weg zur Weltspitze

Japan bei der WM 2026 ist kein Außenseiter mehr — aber auch noch kein Favorit. Die Samurai Blue haben in den letzten vier Jahren einen Quantensprung gemacht: von einem Team, das bei Weltmeisterschaften regelmäßig in der Gruppenphase scheiterte, zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten, der europäische Topteams schlagen kann. Die Übersicht aller WM-Teilnehmer zeigt Japan im Bereich der Geheimfavoriten — ein Status, der die Quoten nach oben treibt und damit Value für Wettende schafft, die an die taktische Qualität und die Disziplin der Samurai Blue glauben.

In welcher Gruppe spielt Japan bei der WM 2026?

Japan spielt in Gruppe F gemeinsam mit den Niederlanden, Schweden und Tunesien. Die Gruppe gilt als eine der ausgeglichensten des Turniers, wobei Japan und die Niederlande die Favoriten auf die ersten beiden Plätze sind.

Kann Japan bei der WM 2026 das Viertelfinale erreichen?

Japan hat bei der WM 2022 Deutschland und Spanien in der Gruppenphase geschlagen und das Achtelfinale erreicht. Die Kaderqualität hat sich seitdem weiter verbessert, und ein erstmaliges WM-Viertelfinale ist ein realistisches Ziel. Die Quote für Japan als Turniersieg liegt bei circa 34.00.